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Archiv für Mai, 2009

Die Ausbildung zum Ausstellungslotsen

26. Mai 2009

Am Dienstag, dem 19. Mai, trafen wir, die künftigen Ausstellungslotsen, uns zum ersten Mal im Gebäude der CEB-Akademie Merzig. Dort lernten wir die später, während der Begleitungen, anzuwendenden Methoden kennen: Gallery Walk und Ein ganz ‘normaler’ Tag.

Bei dem Gallery Walk werden verschiedene Bilder auf Flipchart - Bögen geklebt. Die Schüler werden in kleine Gruppen eingeteilt, welche nun mit Filzstiften an den Rand schreiben, was sie meinen, auf dem Bild zu sehen. Nach etwa 3 bis 10 Minuten wechseln die Gruppen die Bilder. Dies wird so lange gemacht, bis jede Gruppe an jedem Bild einmal war.

Beim ganz ‘normalen’ Tag wird ein durchschnittlicher Tagesablauf der Gruppe erstellt - also vom Aufstehen über Schule und Hobby bis hin zum Schlafengehen. Nun werden kleine Karten ausgeteilt, auf welchen verschiedene Gesetze stehen, die die Nazis gegen die Juden erlassen haben. Nun werden die Karten chronologisch vorgelesen und alle durch dieses Gesetz eingeschränkten Aktivitäten eingeklammert und alle durch dieses Gesetz verbotenen Aktivitäten durchgestrichen. Dies wird so lange gemacht, bis alle Gesetze “durchgesetzt” wurden und alles notwendige durchgestrichen bzw. eingeklammert wurde.

In der zweiten Tageshälfte wurde die Ausstellung in der Stadthalle zum ersten Mal besucht. Auch hier wurde eine Methode vorgestellt: Die Klebepunkt - bzw. Klebezettelmethode. Hierzu wird jedem Schüler ein Haftnotizzettel ausgeteilt, die die Schüler auf das Banner kleben sollen, welches dem Schüler / der Schülerin am meisten auffällt, am besten gefällt, am meisten schockiert etc. Im Anschluss daran werden die Banner behandelt, welche mit einem solchen Zettel versehen wurden. Dabei soll jedoch der Schüler / die Schülerin sagen, warum er / sie ausgerechnet DIESES Banner ausgewählt hat - und nicht vielleicht das Nächste.

p5200001Am nächsten Tag war das zweite Treffen, welches wieder in der CEB-Akademie begann. Dieses Mal wurde besprochen, was einen guten Begleiter ausmacht und was man in bestimmten Problemsituationen tun sollte. Zu diesen Problemsituationen gehört zum Beispiel, dass die Gruppe stört, nicht aufpasst etc. Zudem wurde der Ablauf einer Begleitung allgemein besprochen. Auch dieses Mal fand die zweite Tageshälfte in der Merziger Stadthalle statt. Dort waren dann die Probeführungen, wovon man sich einen Teil einer Begleitung auf www.sr-online.de unter der Kategorie Aktueller Bericht > Archiv > Freitag, 22. Mai anschauen kann. Anschließend an die Probebegleitungen wurde der Einsatzplan erstellt.

Meine erste Aufsicht in der Ausstellung

Am Freitag, dem 22. Mai war es so weit - meine Erste Aufsicht in der Ausstellung: “Anne Frank - eine Geschichte für heute”. Pünktlich um 14 Uhr öffnete die Ausstellung ihre Türen. Nach nur wenigen Minuten kamen dann auch schon die ersten Besucher in die Ausstellung. Jedoch kam nach einem Turbostart eine ziemliche Besucherflaute, was wohl mit dem super Wetter zu tun gehabt haben muss. Um 18 Uhr schloss somit die Ausstellung ihre Türen.

Zeitungsberichte zur Eröffnung und zum Kinoprogramm

25. Mai 2009

Die Saarbrücker Zeitung berichtete bereits am Freitag über den Startschuss der Ausstellung. Den Artikel gibts hier (pdf).

Heute wird (ebenfalls in der Saarbrücker Zeitung) das Kinoprogramm zur Ausstellung vorgestellt: Klick (pdf).

Stadtrundgang durchs jüdische Merzig

25. Mai 2009

Nach einem richtig heißen Tag mit gefühlten 40 Grad im Schatten fand gestern der Spaziergang durchs jüdische Merzig um 20 Uhr statt - nicht zu früh, wenn ich mir das Wetter vor Augen halte.  Über 80 Leute nahmen an dem Spaziergang teil.

Der Spaziergang wurde geleitet von Alfred Diwersy, langjähriger hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Merzig. Die Erinnerung an die Merziger Juden und Jüdinnen war ihm immer schon ein wichtiges Anliegen. Benjamin Chait, der Kantor der Synagogengemeinde Saar, begleitete mit dem Jiskorgebet und dem Kaddisch die Station an der ehemaligen Synagoge.

Stationen waren unter anderem der Vorplatz der St. Josef-Kirche, die heutige Synagogenstrasse mit dem Gedenkstein für die ehemalige Synagoge, die die Deutschen während der Nazizeit geschleift hatten, sowie der jüdische Friedhof.

Interessante Dinge konnte man erfahren: So wird die erste Ansiedlung von Juden in Merzig im Jahre 1648 vermutet, 1652 ist der erste Beleg in einem Vogteigerichtsprotokoll über einen “Roffel/Raphael Jud” zu finden, 1683 folgt die erste Nennung einer jüdischen Familie. Im 18. Jahrhundert lassen sich dann insgesamt 5 jüdische Familien nachweisen; gemeinsam mit den Familien in Brotdorf und Hilbringen kommt die Gemeinde somit auf ungefähr 12 Familien. Die Zahl stieg im 19. Jahrhundert kontinuierlich an, 1846 waren insgesamt 223 Juden in Merzig bekannt. 1933  lebten noch über 200 Juden in Merzig; die Gedenkstätte Yad Vashem kennt über 40 Opfer der Nationalsozialisten für Merzig. 1937 wurde die jüdische Gemeinde Merzig aufgelöst, für die letzten jüdischen Bewohner war nun die Gemeinde in Illingen zuständig.

Insgesamt gab es in Merzig drei Synagogen; die erste wurde vor 1729 ohne behördliche Genehmigung betrieben, die im Juli 1842 fertig gestellte Synagoge fiel der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 zum Opfer. Der Bau wurde nach dem Pogrom von der Stadt Merzig teilweise wieder hergestellt und zweckentfremdet.

Die Erinnerung an das jüdische Bethaus und dessen Schicksal wurde man mit einem Gedenkstein an der Stelle der ehemaligen Synagoge gerecht; jedoch wurde erst im zweiten Anlauf den historischen Begebenheiten Rechnung getragen: Der 1961 installierte Gedenkstein suggerierte eine Zerstörung der Synagoge durch die alliierten Luftangriffe im Jahre 1944 - die Synagoge fiel jedoch den Nationalsozialisten zum Opfer und nicht den Alliierten: Diesem nicht unwesentlichen Unterschied konnte mit einer Aktualisierung auf der Rückseite des Gedenksteines im Jahre 2005 Rechnung getragen werden.

Der jüdische Friedhof schließlich diente der Gemeinde über dreihundert Jahre. Geschändet in der Nazizeit, wurde Alfred Frenkel 1978 als letzter auf dem Friedhof bestattet.

Lesetipp:
Das Buch von Wilhelm Laubenthal “Die Synagogengemeinden des Kreises Merzig 1648 - 1942 ” ist zwar vergriffen, aber noch in wenigen Restexemplaren in der Buchhandlung Rote Zora (Merzig) vorhanden; die Rote Zora beteiligt sich auch am Begleitprogramm zur Anne Frank Ausstellung.

Bilder Ausstellungseröffnung

21. Mai 2009

Über 70 Leute waren da, die Luft war etwas stickig, die Lautsprecheranlage beschallte alle Stockwerke des Foyers, die Musik war sehr ansprechend, ebenso die Reden und die kalten Getränke. Hier einige Fotos zur Ausstellungseröffnung:

Rede zur Ausstellungseröffnung

21. Mai 2009

Rede von Gertrud Selzer, Vorstandsmitglied der Aktion 3.Welt Saar, zur Eröffnung der Anne Frank Ausstellung am 20. Mai 2009 in der Stadthalle Merzig. Die Ausstellung wird gemeinsam von der Christlichen Erwachsenenbildung e.V. und der Aktion 3.Welt Saar organisiert.

Es gilt das gesprochene Wort.

Mehr…

Die Ausstellung ist da

19. Mai 2009

Heute ist die Ausstellung in Merzig angekommen - hier ein paar Bilder von der Ausstellung und dem Aufbau:

Morgen kanns also losgehen: Die Ausstellung wird um 20 Uhr eröffnet.

Downloads und Medien zur Ausstellung

18. Mai 2009

Es gibt einiges an Material rund um die Ausstellung:

1. Den Banner zum Einbinden in die eigene Website:
Banner Anne Frank-Ausstellung, Merzig

Den gibts hier.

2. Den Flyer zur Ausstellung mit Begleitprogramm und allem Pi-Pa-Po als pdf-Datei.

3. Das Ausstellungsplakat: Als jpg-Datei und als pdf-Datei. a_frank_plakat

4. Den Trailer zur Ausstellung:

Banner zur Ausstellung

16. Mai 2009

Es gibt jetzt ein Banner zur Ausstellung:

Banner Anne Frank-Ausstellung, Merzig

Einfach diesen Code in die eigene Website einfügen, fertig:

Stolpersteine der Erinnerung

15. Mai 2009

Im Jahr 1993 begann der in Köln lebende Künstler Gunter Demnig in der Domstadt mit einer besonders anschaulichen Arbeit zur Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten und an ihre Opfer: Er installierte vor den ehemaligen Wohnungen von den Nazis ermordeter Menschen so genannte “Stolpersteine”. Bei diesen von Demnig angefertigten Objekten handelt es sich um 10×10cm große Pflastersteine, die mit einem glänzenden Messingbeschlag versehen und in den Gehweg vor dem Wohnhaus des jeweiligen Opfers eingelassen sind. In die Oberfläche eingraviert sind Name, Geburtsjahr und - soweit bekannt - das Todesdatum. Konkret benannt wird auch die Art des tödlichen Schicksals, durch Zusätze wie “ermordet”, “deportiert” “inhaftiert” oder “hingerichtet”. Einige Stolpersteine erinnern zudem an Menschen, die der Verfolgung entkommen konnten.

Demnig verlegt die Stolpersteine vor den Wohnungen von Menschen, die aus sehr unterschiedlichen Motiven von den Nazis umgebracht wurden. Es handelt sich vor allem um Opfer der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Doch befinden sich Sinti und Roma ebenso darunter wie hingerichtete Widerstandskämpfer, Kommunisten, Sozialdemokraten und Christen oder Schwule. Dieses Erinnerungsprojekt soll vergegenwärtigen, dass es sich bei den Ermordeten um Menschen handelte, die in ihrem ganz spezifischen Umfeld persönlich bekannt waren, als Nachbarn, Freunde, Kollegen, Spiel- und Schulkameraden, private oder geschäftliche Partner, Kunden, Klienten und Patienten, um Mitbürger eben. Zugleich verweist solche Erinnerungsarbeit auf die Schuld all der Menschen im Umfeld der Opfer, die entweder als Täter oder durch Wegschauen und die Verweigerung von Solidarität für die Verbrechen wesentlich mitverantwortlich waren.

Als ebenerdig eingelassene Objekte stellen die Stolpersteine zwar keine Stolperfallen im wörtlichen Sinne dar, aber indem sie tabuisierte Geschichte ins Bewusstsein rufen, sollen sie Anwohner und Passanten gedanklich zum Stolpern bringen.

Demnig und seine Unterstützer haben das in Köln begonnene Projekt seither überregional fortgesetzt und mittlerweile in etwa 200 Gemeinden und Städten mit Zustimmung der Verwaltungen weit über 10 000 Stolpersteine verlegt, nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in anderen Ländern wie den Niederlanden. Dies geschieht auf der Basis von Patenschaften, deren Träger die Lebensläufe von Betroffenen recherchieren und Geld für die Anfertigung und Verlegung durch Demnig auf Spendenbasis aufbringen. Das sind 95 Euro pro Stolperstein.

In der hiesigen Region hat Demnig Stolpersteine bisher vor allem in Trier und Umgebung verlegt. In der Stadt allein geschah dies seit 2005 an über 80 Plätzen. Die Initiative ging dort vom Kulturverein Kürenz e.V. (Kürenz ist ein Trierer Stadtteil) und der Arbeitsgemeinschaft Frieden e.V. (AGF) aus. Die AGF bietet in Trier geführte Rundgänge zu den Stolpersteinen an, die gebucht werden können, am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, außerdem regelmäßig stattfinden. Nähere Infos, einschließlich einer vollständigen Liste mit Ortsangaben, Fotos der Stolpersteine und Kurzbiografien der Opfer sind hier zu finden .

Die ersten Stolpersteine im Saarland installierte Demnig im November 2007 in Illingen. Die Initiative ging hier von den ehemaligen Schülern Sebastian und Matthias Schneider aus. Geplant sind Stolpersteinverlegungen auch in Saarbrücken, wo der Vorschlag von der Synagogengemeinde Saar kommt. 2010 soll dort damit begonnen werden.

Kritiker am Erinnerungsprojekt “Stolpersteine” befürchten vor allem, hier werde das Gedenken der Opfer im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten oder die Gedenksteine könnten beispielsweise durch Hunde- oder Vogelkot verschmutzt und dadurch geschändet werden. Diese Bedenken sind ernst zu nehmen, doch lässt sich solchen Gefahren entgegenwirken. Das versehentliche Betreten eines Stolpersteines ist noch keine Schändung und Verunglimpfung des Andenkens der Ermordeten, denn diese setzt einen bewussten Akt voraus. Mit solchen Akten ist zwar durchaus zu rechnen, davon betroffen sind auch Friedhöfe, insbesondere jüdische. Und wie bei diesen wäre dann strafrechtlich gegen die Täter vorzugehen und der angerichtete Schaden durch Restauration zu beheben. Verunreinigungen durch Tiere sind erst recht keine gezielten Akte. Verschmutzte Stolpersteine müssten gereinigt werden. In verschiedenen Städten haben sich Bürgerinitiativen gebildet, die das regelmäßig tun. Die Probleme sind also lösbar.

Für grundlegende Informationen zu Demnigs Gedenkarbeit sei auf seine Website verwiesen.

Author: Klaus Categories: Hintergrund Tags: , ,

Tagebuch der Anne Frank als Hörbuch

13. Mai 2009

Link zum Verlag mit Hörprobe

Gerade neu erschienen ist das Hörbuch des Tagebuchs der Anne Frank. Es ist fast 11 Stunden lang und wird von Fritzi Haberlandt besprochen.

Beim Hören habe ich schon nach wenigen Minuten vergessen, dass nicht Anne Frank selbst mir ihr Tagebuch vorliest. Manchmal meinte ich, ein unterdrücktes Kichern zu hören, oder wie Anne ungeduldig mit den Füssen scharrt. Und genau wie bei dem Buch, das ich etwa vor 20 Jahren las, habe ich mir auch beim Hören des Tagebuchs immer wieder vorgestellt, was für eine Schriftstellerin aus Anne Frank hätte werden können.

Ingrid ist Buchhändlerin in der Buchhandlung Rote Zora in Merzig. Die Rote Zora beteiligt sich auch am Begleitprogramm der Anne Frank Ausstellung.

Author: Ingrid Categories: Hintergrund, Rezension Tags: ,