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Führung durch das SS Sonderlager / KZ Hinzert

14. Juni 2009

„Der Generalstreik in Luxemburg vom August 1942 zeigte, dass Widerstand möglich war.” So analysiert der luxemburgische Politikwissenschaftler Michel Dormal die Reaktion in Luxemburg auf die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht durch die deutsche Besatzungsmacht. Gemeinsam mit Heike Mauer, ebenfalls Politikwissenschaftlerin, referierte er bei einer Führung durch das SS Sonderlager / KZ Hinzert bei Hermeskeil. Die Christliche Erwachsenenbildung e.V. und die Aktion 3.Welt Saar hatten dazu im Rahmen der Anne Frank Ausstellung eingeladen. In Hinzert wurde 1938 ein Lager zur Unterbringung von Arbeitern gebaut, die am Westwall arbeiteten. Nachdem die Nazis 1940 den europäischen Westen besetzt haben, wird der Westwallbau eingestellt. Seitdem diente das Lager als KZ-Hauptlager für politische Widerständler und politische Gefangene aus Luxemburg und Frankreich, die Zwangsarbeit leisten müssen. Zu Hinzert gehörten 29 Außenlager bis nach Homburg, Mainz und Wittlich, aber auch nahe Losheim. Ziel der Nazis war die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge und letztlich die so genannte „Vernichtung durch Arbeit”.

p6060045 © Aktion 3.Welt SaarDas Lager war permanent überbelegt. Insgesamt waren in Hinzert 13.600 Männer aus 15 verschiedenen Ländern inhaftiert; durchschnittlich waren 800 Häftlinge im Lager bei 560 Schlafplätzen. Ständige Androhung von Schlägen, Laufschritt, Unterernährung bei harter Zwangsarbeit, im Winter stundenlang nackt im Hof stehen gehörten zum Lageralltag.

Ab Ende 1944 wurde Hinzert dem KZ Buchenwald unterstellt, Anfang März 1945 wurde es aufgelöst. Die französische Militärverwaltung schätzte die Gesamtzahl der Toten auf 1.000. Darunter fallen auch die zwei Erschießungen von luxemburgischen Gefangenen im September 1942 und im Februar 1944. An sie erinnern im Wald nahe des Lagers mehrere Gedenktafeln am Ort des Massengrabes.

In Hinzert wurden auch sowjetische Kriegsgefangene ermordet. Anders als in Luxemburg, wo die Nazis auch auf die Kollaboration setzen und bei aller Brutalität Ermordungen vor allem  exemplarisch zur Abschreckung einsetzten, wurde der Krieg im Osten von vornherein als ein „Vernichtungskampf zweier Systeme” geplant und gedacht. Ein Krieg, in dem es keinerlei Regeln und Rücksicht gab, sondern der als ein vermeintlicher Kampf um Leben und Tod zwischen den Deutschen und den „jüdischen Bolschewisten” geführt wurde. Der Antisemitismus fasst dabei KommunistInnen und Juden und Jüdinnen a priori als einheitlichen Feind, den es auszumerzen gelte. Rund 25 Millionen BürgerInnen der Sowjetunion kommen im Krieg ums Leben - 10% der Gesamtbevölkerung. Im Zuge des von Hitler ausgegebenen „Kommissarbefehls” wurden Offiziere der Roten Armee entweder direkt an der Front erschossen oder nach ihrer Aussortierung in den Kriegsgefangenenlager. So auch am 16.Oktober 1941, als 70 sowjetische Gefangene  durch eine Giftspritze vom Lager”arzt” Dr. Wolter ermordet werden. An sie erinnert im Wald nahe des Massengrabes der luxemburgischen Gefangenen ein Gedenkstein und eine kleine Gedenkstätte.

Die Führung durch das SS Sonderlager / KZ Hinzert machte deutlich, dass der NS-Vernichtungswahn auch in der näheren Umgebung stattfand. Die Tatsache, dass mitten durch das Lager die viel genutzte Verbindungsstraße zwischen Pölert und Reinsfeld führte und ein Teil der Gefangenen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Stätten der Zwangsarbeit (z.B. Romika) transportiert wurden, zeigt, dass das Grauen im Lager Hinzert in aller Öffentlichkeit statt fand.

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