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Artikel Tagged ‘Lesung’

Wort und Musik - Lesung aus dem Tagebuch der Anne Frank

10. Juni 2009

p6050014Am vergangenen Freitag stand eine weitere Lesung auf dem Begleitprogramm. Jutta Hans, Mitarbeiterin im SR und in ihrer Freizeit Sängerin und Sprecherin, las aus dem Tagebuch der Anne Frank. Sie wurde musikalisch begleitet von Klezmer-Improvisationen des Klarinettisten Helmut Eisel, der nicht nur im Saarland, sondern auch international als renommierter Klezmer-Musiker gilt. Veranstaltungsort war das europäische Zentrum für Meditation und Begegnung Neumühle in Mettlach- Tünsdorf. Als roten Faden wählte Frau Hans für die Lesung die Tagebucheintragungen für Peter, der mit im Hinterhaus versteckt war und in den sie sehr verliebt war. p6050010

Der Fokus auf diese Liebesgeschichte warf neue Gedanken auf, erschuf ein weiteres Bild zur Person Anne Frank. Es war sowohl erheiternd und amüsant, wie tiefsinnig. Der menschenverachtende Hintergrund der Naziunterdrückung und -verfolung lag dennoch wie ein schwerer Schatten auf allem, was aus dem Tagebuch gelesen wurde. Mit diesem Hintergrund berührte es natürlich um so mehr, wenn Anne Frank über das Glück schreibt. Dies zeugt, welch reife Persönlichkeit diese junge Frau war. Ein Vorbild für jeden Menschen, gleich welchen Alters. So schreibt sie:

Wir vermissen hier viel, sehr viel, und auch schon lange. Ich vermisse es auch, genau wie du. Du musst nicht denken, dass ich von äußerlichen Dingen spreche, damit sind wir hier hervorragend versorgt. Nein, ich meine die inneren Dinge. Ich sehne mich, genauso wie du, nach Freiheit und Luft, aber ich glaube, dass wir für diese Entbehrungen reichlich Entschädigung bekommen haben. Ich meine innere Entschädigung. Als ich heute Morgen vor dem Fenster saß und Gott und die Natur genau und gut betrachtete, war ich glücklich, nichts anderes als glücklich. Und, Peter, solange es dieses innere Glück gibt, das Glück über Natur, Gesundheit und noch sehr viel mehr, solange man das in sich trägt, wird man immer wieder glücklich werden. Reichtum, Ansehen, alles kann man verlieren, aber das Glück im eigenen Herzen kann nur verschleiert werden und wird dich, solange du lebst, immer wieder glücklich machen.

Die Zuhörer wurden reich an Eindrücken, Gedanken und Musik vom Feinsten beschenkt und waren tief bewegt. Helmut Eisel verstand es, die Worte von Anne Frank musikalisch zu beantworten, zu vertiefen, ihnen nach zu empfinden, nach zu hören und die nächsten Worte vorzubereiten. Während der Musik konnte man die Worte sacken lassen und sie so tiefer in sich aufnehmen. Alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung.

Lesung aus dem Tagebuch von Johannes Hoffmann

7. Juni 2009

Bereits am Donnerstag fand eine Veranstaltung zu dem umstrittensten saarländischen Ministerpräsidenten und Nazigegner, Johannes Hoffmann (1890 - 1967), in Beckingen-Düppenweiler statt. Hoffmann hat in diesem Ort (Nahe der Bahnstrecke Trier-Saarbrücken) gewohnt. Aus seinem Tagebuch ( Am Rande des Hitlerkrieges, Merzig, Gollenstein Verlag)  las Gisela Stoll-Bell; die Einführung und Moderation übernahm Herbert Kammer, Studiendirektor a.D.  Zwei seiner Enkelkinder aus den USA wohnten der Lesung bei.

Hoffmann war katholischer Journalist, wurde aber 1934 als Chefredakteur der katholischen „Saarbrücker Landeszeitung” entlassen (heute würde man sagen raus gemobbt), weil er ein entschiedener Nazigegner war und die offizielle katholische Linie gegenüber den stärker werdenden Nazis nicht mitging. Nach seinem Exil (seit 1935) in Luxemburg, Frankreich und Brasilien wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg als Vorsitzender der CVP (Christlichen Volkspartei Saar) erster saarländischer Ministerpräsident, bildete die meiste Zeit zwischen 1946 und 1955 mit Sozialdemokraten von der SPS (Sozialdemokratische Partei Saar) unter der Führung von Richard Kirn eine Koalitionsregierung und strebte einen saarländisch-europäischen Sonderweg an, ohne schwarz-rot-gold. Er wurde massiv aus der nationalistischen Ecke attackiert - von der pro deutschen CDU und der pro deutschen SPD und der Deutschen Partei Saar („Liberale, Vorläufer der FDP im Saarland) und verlor letztlich die entscheidende Abstimmung 1955. Besonders tat sich dabei seitens der DPS Heinrich Schneider hervor, der eine lupenreine NS-Vergangenheit sein eigen nennen konnte und in der DPS viele alte Weg- und Volksgenossen traf. Der Katholik Hoffmann wurde auf’s übelste beschimpft, weil er emigriert war und sich den Nazis widersetzte.
Bis heute ist er innerhalb der CDU und innerhalb der SPD umstritten und teilweise mehr gelitten als akzeptiert. Dass der saarländische Schriftsteller Ludwig Harig, die Hoffmann Regierung - immerhin lange Jahre eine Koalitionsregierung mit Sozialdemokraten - allen Ernstes als “klero-faschistisch” titulierte und diese Aussage Jahrzehnte später in Interviews mit der Saarbrücker Zeitung und dem Saarländischen Rundfunk rechtfertigte, zeugt wenige Jahre nach dem militärisch erzwungenen Ende des Zivilisationsbruchs Auschwitz eindrucksvoll von der geistigen Reife und dem intellektuellen Tiefgang saarländischer Literatur. Immerhin durfte in seiner Regierungszeit niemand aus dem Saarland abgeschoben werden, der dort geboren wurde. Ein äußerst moderne Vorstellung eines Staatsbürgerrecht.

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